Ein Problem?… Frage: „Ist es der Vergaser?“. Antwort: „Es ist fast immer der Vergaser!“

Die Spacy verfügt wie sehr viele Benzinmotoren über einen Membran-Vergaser. Im Gegensatz zu einem Kolbenschieber-Vergaser (Mofas) erfolgt die Dosierung nicht über einen Kolben mittels Gaszug, sondern über Unterdruck. Wer es genau wissen will, kann im Internet seitenweise Infos finden.

Original ist ein Keihin Modell VE 01 verbaut. Die nach dem VE eigeschlagene Nummer kann je nach Land abweichen. Ansich ist der Vergaser sehr zuverlässig und macht nur Theater, wenn er verdreckt ist oder Verschleißteile nicht getauscht werden. Oftmals sind die Vergaser auch einfach aufgrund von Unkentnissen verbastelt.

Der Vergaser ist ein ganz zentrales Element im Roller-Komplex und auch oft Ursache für folgende Erscheinungen:

  • schlechte Leistung
  • ruckelnder oder unrunder Motorlauf
  • schlechtes Anspringen und gleich wieder Ausgehen
  • schlechte Gasannahme
  • Qualmen oder Rußen
  • hoher Verbrauch

Ein wirklicher Defekt am Vergaser ist eher selten. Fast immer findet man die Ursache an:

  • Verschmutzung im Vergaser (Hauptursache)
  • falsche Einstellung der Gemisch-Schraube
  • Fehlluft durch lockeren Sitz auf dem Ansaugstutzen
  • Ansaugstutzen undicht/rissig
  • defekter E-Choke (Kaltstarteinrichtung)
  • verschlissene Unterdruckschläuche
  • zu alte oder defekte Membran (siehe auch hier)

Bitte beim Vergaser sehr sauber und präzise arbeiten. 

Nun aber der Reihe nach. Leider ist der Vergaser etwas „gut geschützt“ durch den Rahmen eingebaut. Zum Ausbau des Vergasers wie folgt vorgehen:

  1. Abbau beider Seitenverkleidungen
  2. Abbau der Sitzbank (1 Schraube M6)
  3. Ausbau der Batterie (Kreuzschlitzschrauben Pole)
  4. Abbau des Fußbretts (4 Schrauben M6, 4 Clipse)
  5. Abbau Luftfilter-Gehäuse (2 Schrauben M6)
  6. Gaszug abbauen
  7. Steckverbindungen vom Kaltstarter abziehen
  8. Steckverbindung vom Mikroschalter abziehen
  9. Unterdruckschläuche abziehen (unbedingt Reihenfolge merken!!!)
  10. Benzinleitung abziehen
  11. dann kann der Vergaser vom Ansaugstutzen abgenommen werden.

Macht Euch am besten Fotos, wie und vor allem wo die Unterdruckschläuche angeschlossen sind. Ich habe beim ersten Mal daran nicht gedacht und nur mit super Hilfe von Klaus es überhaupt wieder geschafft, alles richtig anzuschließen.

Bilder hierzu sind am Ende der Seite.

Jetzt könnt Ihr mit der Schraube unten am Schwimmergehäuse den Vergaser entleeren; macht das, sonst gibt es Sauerei.

Zerlegen des Vergasers

Als erste Aktion lösen wir die beiden Schrauben der Klammer, die die Kaltstartautomatik  hält und nehmen diese ab.

Dann öffnet man die Schwimmerkammer. Dazu dreht man die 4 Kreuzschlitzschrauben auf. Dann sieht man die Hauptdüse, Leerlaufdüse, Kaltlauf-Düse und Schwimmer mit Schwimmernadelventil.

 

Die Haupt- und Nebendüse kann mit einem Schlitzschrauber herausgedreht werden.

Der Schwimmer ist mit einer kleinen Metallstange befestigt, die seitlich herausgeschoben werden kann. Achtung! Am Schwimmer hängt das Schwimmernadelventil. Nicht verlieren.

Als Nächstes kann man oben den Membrandeckel abnehmen (2 Kreuzschlitzschrauben). Dann vorsichtig die Membran mit dem Kolben und die Gegendruckfeder entnehmen. Bitte hier aufpassen, dass die Feder nicht davon hüpft.

 

Dann als Nächstes kann man das Air-Cut Ventil abbauen (2 Kreuzschlitzschrauben). Achtet auf die mini kleine Gummidichtung, die zwischen Vergaser und dem Ventil ist und nicht verlieren.

Als Nächstes kann die Misch-Schraube ausgebaut werden. Position siehe Abbildung unten Pos. 3. Ggf. ist diese mit einem kleinen Deckel verschlossen, der mit einer Büroklammer entfernt werden kann. Es kann sein, dass die kleine Dichtung im Vergaser stecken bleibt. Dann einfach mit einer gebogenen Büroklammer diese rausholen. Bitte unbedingt auch auf die kleine Messingscheibe achten.

Damit ist der Vergaser zerlegt und die Reinigung kann beginnen.

Reinigung des Vergasers

Die beste (aber auch teuerste) Reinigung erfolgt mittels Ultraschallbad. Wer sowas gerade nicht zur Hand hat, kann auch den Vergaser mit Bremsenreiniger bzw. Waschbenzin sauber machen. Zunächst kann man das äußere Gehäuse mit einer (Zahn-)Bürste und etwas Diesel oder Waschbenzin reinigen.

Dann geht es an das Innere.. Dabei auch alle Öffnungen und Kanäle berücksichtigen und richtig durchspülen. Anschließend mit Druckluft alle Kanäle auspusten. Damit sollte das Gehäuse top sauber sein.

Nun nehmen wir uns die Düsen vor. Hier schauen, ob die kleinen Löcher frei von Dreck und Partikel sind. Man kann diese auch mit Bremsenreiniger reinigen und dann mit Pressluft ausblasen.

Dann kontrollieren, ob der Spritzufuhr einwandfrei ist und das Ventil sauber schließt. Winzige Partikel hier sorgen dafür, dass das Schwimmernadelventil nicht sauber schließt und ein überlaufender Vergaser ist das Resultat.

Nun genau die Membran anschauen und kontrollieren, ob hier Risse oder poröse Stellen vorhanden sind. Die Membran ist das Herzstück und muss einwandfrei in Ordnung sein. (Test siehe hier) Sollte die Membran rissig sein, muss diese unbedingt ausgetauscht werden. , ob die Vergasernadel gerade ist.

Wenn das alles tipp topp ist, nehmen wir uns das Aircut Ventil vor. Beim Öffnen aufpassen, denn da springt auch eine Feder heraus und auch hier ist eine Membran drin. Hier muss kontrolliert werden, ob alles sauber ist. Dann kann das Ventil wieder zusammengebaut werden.

Zusammenbau des Vergasers

Nachdem alles gereinigt ist, kommt nun die Montage.

  1. Zunächst schrauben wir das Aircut Ventil wieder an den Vergaser. Dabei aufpassen, das die kleine Gummidichtung wieder eingesetzt wird.
  2. Dann werden die Düsen wieder eingeschraubt.
  3. Anschließend wird der Schwimmer mit dem Nadelventil wieder eingesetzt und mit der kleinen Stange fixiert.
  4.  Dann bitte die Schwimmerkammer wieder mit dem Gehäuse schließen und die 4 Schrauben fest drehen.
  5. Vorsichtig dann die Membranfeder oben einsetzen und die Membran aufsetzen. An der Membran ist eine kleine Ausbuchtung. Diese passt genau an eine Aussparung im Vergaser.
  6. Dann wird die Misch-Schraube wieder eingebaut. Dabei auf die Feder, den Messingring und die Dichtung achten.
  7. Der Vergaser muss ganz fest auf dem Ansaugstutzen sitzen.
  8. Zum Schluss

Einstellung des Vergasers

Bilder und Legende

rechte Seite

  1. Membrandeckel (2 Kreuzschlitzschrauben)
  2. Kaltstartautomatik (2 Kreuzschlitzschrauben)
  3. Gemischschraube (manchmal mit kleinem Deckel verschlossen)
  4. Anschluss für Kühlwasserleitung (kommt von vorne)
  5. Anschluss für die benzinleitung (5mm)
  6. Ablassschraube für Benzin in der Schwimmerkammer (Schlitzschraube)
  7. Aircut Ventil Unterdruckanschluss zum Benzinhahn
  8. Anschluss für Kühlwasserleitung zum Thermostat

linke Seite

  1. Anschluß Druckausgleich (einfach nur ein Stück Schlauch)
  2. Anschluß Aircut Ventil